Eva Bulling-Schröter und Harald Weinberg zu Besuch beim Eichstätter Klinikum

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Eva Bulling-Schröter und Harald Weinberg besuchten zusammen mit Liliana la Perna, Vorsitzende der LINKEN. In der Region Ingolstadt, Monika Reith und Christian Oberthür am 19. Juli das Klinikum Eichstätt und führten ein Gespräch mit dem Betriebsdirektor Marco Fürsich, dem Prokuristen Alfred Schimmer, dem Geschäftsführer Lorenz Meier, der Pflegedienstleitung Frau Saalfeld und der Betriebsratsspitze, Herrn Glossier und Herrn Kirchdörfer über die Situation des Krankenhauses. Die Klinik Eichstätt gehört zusammen mit der Schwesterklinik in Kösching zur Kliniken im Naturpark Altmühltal GmbH. In Eichstätt werden jährlich 18000 stationäre und ambulante Patient/innen behandelt.
Für die Krankenhäuser sind rund 670 Vollkräfte im Einsatz. Die Nachwuchsgewinnung ist schwierig, sowohl im ärztlichen Bereich, als auch beim Pflegepersonal, da im Ballungsraum Ingolstadt die Arbeitslosenquote sehr niedrig ist.
Im Landkreis stehen durch die Klinik 206 Betten pro 100.000 Einwohner/innen zur Verfügung. Da die Bevölkerung wächst, gibt es einen kontinuierlichen Zuwachs an Patient/innen und die Klinik muss mehr Leistungen erbringen. Immer mehr Leistungen heißt aber nicht automatisch auch mehr Geld.
Durch Veränderungen in der Vergangenheit und durch das Krankenhausstrukturgesetz ist es schwierig, als kleineres Krankenhaus eines Landkreises zu bestehen.
Deutschland hat in der EU im Vergleich eine relativ hohe Bettenzahl. Harald Weinberg vermutet, dass die Bundesregierung diese Zahl gern nach unten drücken möchte um Kosten zu sparen und lässt dies mittels Wettbewerbsverschärfung den Markt regeln. Der Markt ist aber blind vor Versorgungsnotwendigkeiten und so kann es passieren, dass auch wirklich benötigte Krankenhäuser dann schließen müssen. Deshalb sollten die Bundesländer in die Lage versetzt werden, wirklich eine reale Planung an Hand des Bedarfs vor Ort machen zu können, damit Krankenhäuser auch den Gesundheitsversorgungsauftrag erfüllen können.
Ein weiteres Problem ist für die Krankenhausleitung, dass Patient/innen mit kleinen Wehwehchen die Notfallambulanz verstopfen und sie nur 32 € pro Notfall bekommen, aber reale Kosten pro Fall von 130 € durchschnittlich anfallen. Bei mehreren tausend Notfällen entsteht hier ein enormes Defizit, das das Krankenhaus an anderer Stelle ausgleichen muss.
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Der Betriebsrat fragt, ob es im Bundestag Mitstreiter/innen für eine Systemänderung mit einer anderen Finanzierung als über das DRG-System gibt. Harald Weinberg sagt, dass die anderen Parteien wohl maximal dazu bereit wären, bestimmte Bereiche auszunehmen. Bei den Verbänden gibt es ein bisschen Bewegung. Die Bundesärztekammer und der Marburger Bund sehen das DRG-System kritisch. Die Kostenträger befürworten es aber, weil sie so Einfluss auf die Krankenhäuser nehmen können.
Die Leitung beschreibt, dass sie keine Einsparungsmöglichkeiten mehr haben. 30 Prozent sind Sachkosten, wo schon sehr viel eingespart wurde, 70 Prozent sind Personalkosten, die tariflich festgelegt sind. Der Betriebsrat merkt an, dass das Personal an seine Grenzen kommt und weiterer Leistungsdruck die Mitarbeiter/innen kaputt macht.
Der Pflegezuschlag war eine Mogelpackung. 6500 – 7000 neue Stellen für alle Krankenhäuser bedeutet für Eichstätt 1,5 neue Stellen, der Bedarf ist aber weitaus höher.
Harald Weinberg sagt, dass bundesweit 72.000 Stellen fehlen, wenn man auf europäisches Niveau kommen will, fehlen sogar 100.000 Stellen.
Für den Pflegedienst des Hauses ist die Bewältigung der Aufgaben schwierig. Es gab Umstrukturierungen, die Verweildauer ist kürzer. Alles ist komprimierter und der Verwaltungsaufwand nimmt zu.
Eva Bulling-Schröter fragt, ob mehr Kolleg/innen in Teilzeit arbeiten, weil sie 40 Stunden nicht mehr durchhalten. Dies wird leider bestätigt.
Alle sind sich aber einig, dass sie das Krankenhaus unbedingt erhalten wollen, denn die Menschen aus der Region wollen sich lieber vor Ort behandeln lassen. Für ein kleines Haus ist es aber schwierig alles vorzuhalten.
Harald Weinberg erklärt, dass es völlig normal ist, dass zum Beispiel bei der Feuerwehr die gesamte Vorhaltung bezahlt wird. Niemand käme auf die Idee, die Feuerwehr danach zu bezahlen, wie viel Wasser durch ihre Schläuche geht. Sie wird bezahlt, ob es brennt oder nicht. So müsste die Vorhaltung auch bei Krankenhäusern bezahlt werden.
Krankenhäuser als Teil der Daseinsvorsorge dürfen nicht im Wettbewerb stehen. Man erreicht keine bessere Qualität durch Wettbewerb und Konkurrenz, sondern durch Zusammenarbeit.
Die privaten Betreiber halten sich schwierige Fälle vom Leib und machen nur das, was Geld bringt. Der Rest wird von den öffentlichen und Gemeinnützigen erledigt.
Bei den Privaten scheint es so, als ginge es oft nur um kurzfristige Wettbewerbseffekte und nicht um langfristige Investitionen und Nachhaltigkeit.
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